Anzeigenpflichtverletzung

Vorvertragliche Anzeigenpflicht und Anzeigenpflichtverletzung

In der PKV ist es für das Zustandekommen eines Antrages extrem wichtig, dass alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Da ist es ratsam, sich etwas mehr Zeit für die Beantwortung zu nehmen um sicher zu stellen, dass man hinterher nichts vergessen hat.

Denn an diesem Punkt sind die Versicherer kritisch und streng. Manchmal auch in einem Maß, dass man es als Versicherter kaum verstehen kann.

Denn für die exakte Kalkulation des Beitrages spielt der Gesundheitszustand eine wichtige Rolle. Sind schwere oder sogar dauerhafte Erkrankungen bereits gegeben, so wird der Grundbeitrag für einen solchen Versicherten um einen Risikozuschlag für seine Krankheiten erhöht und ergibt seinen individuellen Beitrag, den er mit dem Antrag annehmen kann.

Beispiel: Eine vermeintlich einfache Allergie, die man seit Jahren zu einer bestimmten Jahreszeit hat und mit einfachen Medikamenten aus der Apotheke erträglich machen kann, muss vom Versicherer nicht so unbedenklich eingestuft werden. Die Art und Schwere der Allergie und evtl Kreuzallergien können zu einem Risikozuschlag führen, den man selbst nicht erwartet hätte. Somit ist bereits die Anzeigenpflicht verletzt. Der Versicherer hat den Vertrag nur mit Risikozuschlag weitergeführt.

Beispiel: In einer Phase der Trauer ergeben sich gesundheitliche Probleme wie z. B.  anhaltende Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Lustlosigkeit dem Alltag gegenüber und ein eifriger Hausarzt gibt in seinem Bericht eine psychische Belastung aufgrund dieser Situation an. Da es sich nur um eine überstandene Lebensphase gehandelt hat gibt der Versicherte diesen Arztbesuch und die Diagnosen von damals nicht an, da sich alles ja wieder mit der Zeit gerichtet hat. Behandlungen zur Psychotherapie hatte er in keiner Form. Er hatte einfach vergessen, diese Beschwerden von damals anzugeben. Von einer Diagnose auf psychische Belastung war ihm gar nichts bekannt.  Der Versicherer hat den Vertrag beendet. Ohne Angebot zur Weiterführung mit erschwerten Bedingungen.

Man muss sich immer bewusst sein, dass es einen klassischen Interessenskonflikt zwischen der Versicherungsgesellschaft und dem Arzt bei der Beantragung einer Krankenversicherung gibt. Für den Arzt müssen Sie möglichst krank sein, damit er eine Grundlage für seine Behandlungen und Abrechnungen angeben kann. Für die Gesellschaft müssen Sie jedoch möglichst gesund sein um keine Risikozuschläge oder sogar eine Ablehnung für Ihren Antrag auf Krankenversicherung zu erhalten.

Erfährt ein Versicherer im Nachhinein, dass Sie Gesundheitsfragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet und dem Versicherer damit nicht die Möglichkeit gegeben haben, dass er einen Beitrag für Sie kalkulieren und anbieten konnte, so kann er wegen Anzeigenpflichtverletzung reagieren.

Dies kann weitreichende Folgen haben

  • Der Versicherer kann vom Vertrag zurücktreten
  • Der Versicherer kann eine Fortführung nur mit Risikozuschlag anbieten
  • Der Versicherer kann den Vertrag für nichtig ab Beginn erklären.

Hier kommt es auf die Schwere und den individuellen Fall an. Fakt ist aber, dass es sehr schwer wird, wieder eine Private Krankenversicherung zu erhalten. Und da wir in Deutschland eine Versicherungspflicht zur Krankenversicherung haben, bleibt dann oft nur die Möglichkeit des Basistarifs.

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